26. April 2021

AFI-Barometer – Frühjahr 2021

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AFI-Barometer – Frühjahr 2021

Südtirol blickt 2020 auf die wahrscheinlich schlechteste Wirtschaftsbilanz der Nachkriegszeit. Dank der massiven Interventionen der öffentlichen Hand konnten die negativen Auswirkungen jedoch in Grenzen gehalten werden. In Summe und im Jahresschnitt betrachtet zeigt sich die Arbeitnehmerzahl rückläufig (-3,4%), mit starker Differenzierung nach Vertragstyp, Staatbürgerschaft und Wirtschaftssektor. Vor allem auf das Kündigungsverbot und den Lohnausgleich ist zurückführen, dass die amtliche Arbeitslosenrate (3,7%) noch nicht nach oben geklettert ist. Ein regelrechtes „annus horribilis“ war 2020 für die Tourismusbranche mit -35% an Gästenächtigungen. Demgegenüber bleiben die Rückgänge im Außenhandel im Rahmen (Exporte: -3,5%; Importe: -9,7%) und die Inflation in Bozen moderat (0,8%). Die Kreditvergabe expandierte nach wie vor (+3,0), vor allem jene an Privatpersonen (+4,6%). Im Vergleich zu anderen Gebieten kommt Südtirol 2020 noch mit einem blauen Auge davon. Das zeigt der Blick auf die Nachbarländer, wo die Nächtigungszahlen um mehr als 50% eingebrochen sind. Des Weiteren wiegen in Südtirol positive Entwicklungen in einigen Branchen die negativen in anderen teilweise auf. Die letzten verfügbaren Zahlen bestärken das AFI in der Schlussfolgerung, dass es gelungen sei, den wirtschaftlichen Einbruch im Jahr 2020 in einem verträglichen Rahmen zu halten. Mit -6,5% schätzt das AFI den BIP-Rückgang 2020 geringer ein als WIFO (-10,0%) und ASTAT (-11,3%) es tun.

Die Stimmung der Südtiroler Arbeitnehmer/Innen bleibt verhalten

Mit Bezug auf die Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung Südtirols schaltet die Konjunkturampel im Frühjahr 2021 von dunkelrot auf rot. Aktuell (Umfragemonat: März 2021) rechnen Südtirols Arbeitnehmer/Innen noch nicht damit, dass der Konjunkturmotor zeitnah durchstarten wird. Was Südtirols Arbeitnehmer/Innen noch erwarten: eine tendenziell ansteigende Arbeitslosigkeit, zunehmende Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten, aber nach wie vor kein konkretes und unmittelbares Risiko, den eigenen Job zu verlieren. Die Fähigkeit, mit dem Lohn über die Runden zu kommen, verbessert sich für Arbeitnehmer-Familien ein weiteres Mal (Grund: für Konsum fehlen Lust und Möglichkeiten – doch Achtung:  Im AFI-Barometer werden nur Personen befragt, die unter Vertrag stehen. Die Stichprobe beinhaltet also keine Personen, die kürzlich ihre Arbeit verloren haben oder schon seit längerer Zeit erwerbslos sind).

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